Mittwoch, 25. Dezember 2013

Mit Kanonen gegen die Zwangsumsiedlung - 自制大炮抗强拆

Ein alter Mann stellt sechs in rote Fahnen gehüllte Kanonen her um sich gegen den Zwangsabriss seines Hauses zu wehren - Er will niemanden verletzen.







Zhou Jianbang, ein Einwohner von Xingyang in der Provinz Henan. Er arbeitet in der örtlichen Baumaterialfabrik 

Nachdem er gesehen hatte, wie um sein eigenes Haus herum mehrere Dutzend Häuser dem Erdboden gleichgemacht wurden, baute er im Laufe des Vormittags des 23. Dezember sechs Kanonen, die er um sein Haus aufstellte, um es vor den Abrisstrups zu schützen. 

Die Polizei erklärt, dass es sich um Attrappen handelt, welche keine Gefahr darstellen, und der Vorsitzende der Quartierverwaltung, Zheng Peng erklärt, dass bis zum jetzigen Zeitpunkt niemand einen Abriss von Zhou Jianbing's Haus geplant hat. Wenn ein Abriss notwendig wird, würde man ohnehin erst mit Zhou Jianbing darüber sprechen. Einen Zwangsabriss wird es nicht geben.
Um 11 Uhr morgens erreichten wir den Freizeitpark der Baumaterialfabrik, in dem die pensionierten ehemaligen Arbeiter der Fabrik wohnen. Der Park ist durch hohe blaue Blechwände von der Aussenwelt abgetrennt worden. Auch hier sind viele Häuser bereits komplett abgerissen worden. Im Zentrum des Freizeitparks finden wir Zhou Jianbang's Haus, mit nun bereits fünf oder sechs selbstgebauten Kanonen, aufgebaut rund um sein Haus. Die Szenerie wird umringt von einer großen Menge an Passanten und Schaulustigen, angeregt diskutierend. Manche meinen, man erkenne doch, dass es keine echten Kanonen seien, manche halten die Kanonen aber für echt.

Zhou Jianbang erzählt uns: Die selbstgebauten Kanonen sind wirklich nur Attrappen. Gebaut hat er sie, weil er sich in seinem eigenen Haus nicht mehr sicher fühlte, nachdem die umgebenden Häuser sämtlich eingerissen worden waren. Der Bau jeder einzelnen Kanone hat ihn nur wenige hundert RMB gekostet, damit kann man niemanden verletzen. 

Den Bauten im Freizeitpark sieht man ihr Alter deutlich an. Diesmal müssen 340 Wohnungen den Baggern weichen, in drei Schüben. Nun stehen nur noch 34 davon. Man kann den Plänen entnehmen, dass die Stadtregierung seit vorletztem Jahr sogar einen kompletten Umbau der Baumaterialfabrik ins Auge fasst. Die jetzigen Bewohner sollen wegziehen, da der Immobilieninvestor hier neue Wohnhäuser plant.

In unseren Interviews wurde klar, dass die Einwohner die Entwicklungspläne der Regierung annehmen und unterstützen, dass es aber gespaltene Meinungen gibt bezüglich der Entschädigungspläne. Der Vorsitzende des Vereins pensionierter Arbeiter der Baumaterialfabrik, Feng Baosen, erzählt uns, dass die Fabrik 1953 gegründet wurde. Er war der erste Arbeiter hier, und  nun, im Alter von 85 Jahren hat musste er erleben, dass man ohne sein Wissen sein Wohnhaus abgerissen hat. Viele Möbel und Kalligraphierollen, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hatte, sind in den Trümmern begraben worden. Er erzählt uns, dass er nicht gegen das Abreissen an sich sei, sondern sich daran stört, dass die Regierung jedem Haushalt nur 4.000 RMB an Kompensation anbietet. Wo sollen die Bewohner später wohnen, wovon leben? Danach fragt die Regierung nicht, es scheint sie auch nicht zu kümmern.
Ausserdem erzählen uns die Arbeiter, dass die Regierung keinerlei Verträge mit den Bewohnern ausgearbeitet hat, abgesehen von einigen mündlichen Vereinbarungen. Und wenn sie sich mit einem Bewohner nicht einigen kann, dann reisst sie sein Haus einfach mit Gewalt ab. Viele Einwohner haben noch nicht einmal die versprochenen 4.000 RMB erhalten, obwohl ihr Haus längst abgerissen wurde. Einige Arbeiter haben diese Probleme angesprochen. Sie sind verhaftet und weggesperrt worden. Zhou Jianbang's Bau der Kanonen sei die Handlung eines Mannes der schlicht nicht mehr weiterweiss. 

Zhao Peng, der Sekretär des lokalen Parteikongresses, sagt, er sei sehr überrascht gewesen, als er von den den "Kanonen" des Zhou Jianbang erfahren hat, insbesondere, da er den Aufdruck "erzwungenes Abreissen" auf einer der Fahnen gesehen hat. Er sagt, Zhou Jianbang sei doch ein ehemaliger Arbeiter der Baumaterialfabrik, und Grund und Boden der Fabrik sind Staatseigentum. 2010 hat die Fabrik Bankrott erklärt und die Eigentumsverhältnisse wurden neu geordnet. Damals hat er mit den Einwohnern in einem mündlichen Vertrag vereinbart, dass für 2.000 RMB pro Jahr ein Stück Land angemietet wird und dass aus dem überbauten Fabrikgelände eine Kohlenbrikettfabrik wird. Was jetzt abgerissen wird seien Gebäude der Fabrikkommune, und momentan sei keine Rede davon, Zhou Jianbang's Haus abzureissen. Wenn es soweit sei, würde man mit ihm kommunizieren und nicht einfach den Abriss erzwingen. 
Er erklärt, dass die Polizei bereits informiert hat. Bezüglich der von anderen Bewohnern gemeldeten erzwungenen Hausabrissen sagt er, dass jedes Mal, wenn ein Haus abgerissen und die Bewohner umgesiedelt werden, das  Einverständnis der Bewohner eingeholt wird, und diese ein entsprechendes Formular unterzeichnen. Als wir verlangen, ein solches von einem Arbeiter unterschriebenes Formular zu sehen, sagt er, dass er gerade keines zur Hand habe. Der Aussage, dass Hab- und Gut eines Einwohners im Schutt begraben worden sei, will er in einem späteren Schritt nachgehen.

Der Polizeiwachtmeister im nächsten Revier, Liu Yun, erklärt dass es sich bei Zhou Jianbang's Kanonen um Attrappen handelt, die keine Gefahr darstellen, sondern mit denen er ein Gefühl zum Ausdruck bringen will. Vielleicht ist die Kommunikation zwischen Regierung und dem einfachen Volk nicht ideal. 


Als wir Xingyang verliessen umringten immer noch etliche Leute die Szenerie, ausser einem Polizisten sahen wir niemanden von der Regierung, der sich um eine Verständigung bemüht hätte. Die Leute erklären, dass sie nicht aufgeben werden, die Regierung zur Rede zu stellen, obwohl schon viele Häuser zerstört wurden.

Ji Yong für Zhongxinwang in Zhengzhou

Montag, 23. Dezember 2013

Präsident Xi, wie gut kennen Sie Ihr Land denn eigentlich?

10 kurze Fragen an Präsident Xi, die gegenwärtig auf QQ und anderen Social Media Plattformen gepostet und weitergeleitet werden:

Ich: Präsident Xi, Ich nehme an, Sie kennen Ihr Land genau? Es gibt 200 Länder auf der Welt:
  1. Von diesen gibt es 20, in denen man nur gegen Vorkasse zu Arzt gehen kann. Eines davon ist China.
  2. Es gibt vier, welche die tiefgekühlte Leiche eines verblichenen Diktators in einem Kristallsarg ausstellen: Russland, Vietnam, Nordkorea und China.
  3. Ebenfalls vier Länder zensieren das Internet, Kuba, Iran, Nordkorea und China
  4. Nur drei Länder schränken die Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit ihrer Bürger basierend auf Heimatort und Familienherkunft ein: Benin, Nordkorea und China (das Hukou-system)
  5. Es gibt zwei Länder, deren Schüler Unterricht in Politik erhalten: Nordkorea und China.
  6. Es gibt zwei Länder, welche das politische System der Diktatur offiziell in der Verfassung verankert haben: Nordkorea und China.
  7. Nur ein Land gibt es, welches Geburtenkontrolle vornimmt: China!

Nur ein Land erfüllt all die obgenannten Kriterien, und ja, das ist China…

Warum denken Chinesen ständig ans auswandern? 

In China müssen Autos und ganze Firmen jedes Jahr überprüft werden, um für ein weiteres Jahr für das Geschäftsleben und den Strassenverkehr zugelassen zu werden. In Deutschland gibt es das nicht. Fragt man einen Deutschen: 
"Ohne jährliche Prüfung, was machst du denn, wenn etwas an deinem Auto kaputt geht?"
"Na, selber reparieren!"
"Warum schreibt euch denn eure Regierung diese jährliche Prüfung nicht vor?"
Erneut antwortet der Deutsche mit einer Gegenfrage: "Wer sollte denn der Regierung das Recht für eine solche Prüfung gegeben haben? Wenn eine Regierung an so etwas interessiert ist, bedeutet das doch nur, dass es Vorteile für die Regierung hat."

Die Amerikaner entdecken ständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse, gewinnen Nobelpreise in Physik, Chemie, Wirtschaftswissenschaften und Medizin… Im Durchschnitt gewinnen sie zwei bis drei Nobelpreise jedes Jahr!

Die Chinesen erfinden Erkenntnisse, zum Beispiel auf dem Gebiet des Maoismus, des Dengismus, der Theorie der drei Repräsentationen (Jiang Zemin's Theorie), der Theorie der wissenschaftlichen Entwicklung (Die Leittheorie der Jahre unter Hu Jintao) und nun auf dem Gebiet des "Chinesischen Traums" (Xi Jinping's Lieblings-propagandafloskel). Alle zehn Jahre erfinden wir so etwas. 

Bei uns bedeutet Reform neue Gebühren, Regulierung bedeutet Steuererhöhung und Anhörung führt zu Preiserhöhungen und Charakteristik (wie in Sozialismus chinesischer Charakteristik) bedeutet "stetig andauernd".

Wenn wir das Wort "Traum" hören, denken wir ans Auswandern, den Reis einer anderen Region zu essen, bedeutet, sich quer durch das Periodensystem vorzukosten, Bestrafung von Beamten bedeutet, dass diese einen Bonus erhalten und sich eine Auszeit nehmen können, "gute Beziehungen unterhalten" meint "Bestechen und Schmieren", Finanzpolitik von Kreis- und Provinzregierungen ist nichts anderes als Beschlagnahmung und Weiterverkauf von Grund- und Boden, und mit "das Bruttosozialprodukt ankurbeln" meint man nichts anderes, als Häuser abzureissen, um neue zu bauen, und neue zu bauen, um sie danach wieder abzureissen. Was woanders "Bereicherung" genannt wird, nennt man hier "an die Börse gehen", Menschen illegal und ohne Anklage einzusperren nennt man hier "Aufrechterhaltung der Stabilität" und Medien, die wie gefordert "objektiv berichten" reden schlicht der Partei nach dem Mund, und wenn Gerüchte offiziell dementiert werden, weiss man, dass sie wahr sind.

Dies ist das reichste Land, aber die ärmste Bevölkerung, die stärkste Regierungsmacht steht dem schwächsten Rechtssystem gegenüber, die schönste Landschaft der schlimmsten Umweltverschmutzung, hier gibt es die billigsten Arbeitskräfte trotz der umfassendsten Kontrollen, die schlechteste medizinische Versorgung, die blutigsten   Enteignungen, die verlustträchtigsten Landrekuperationen und die längste Autobahn mit der längsten Warteschlange an der Mautstelle, die luxuriösesten Hochgeschwindigkeitszüge und das ärmlichste Kantinenessen, die verkommenste Moral und die gewissenlosesten Menschen. Wert ist schuld?

Laut Lang Xianping (郎咸平) gibt es in China zwei Extreme: Der kleine Mann hat kein Geld und kann sich nichts leisten, während die Regierung stinkt vor Geld. Der kleine Mann soll von dem selbstlosen Märtyrer Lei Feng lernen, während die Beamten ihren korrupten Geschäften nachgehen. Das einfache Volk spart an allen Ecken und Enden, während die Regierung das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft. Im Ausland lebt die Wirtschaft vom Konsum der Menschen, in China von öffentlichen Ausgaben. Diese solcherart missgebildete Volkswirtschaft wird nicht mehr lange überleben können.

Die neuesten Wohlstandsklassen:
  1. Reiche Haushalte: Jährliches Einkommen von 2 Millionen RMB und mehr (ca. T€ 240, 1000 RMB entsprechen ca. 120 €).
  2. Wohlhabende Haushalte: Jährliches Einkommen zwischen 800.000 RMB und 2 Millionen.
  3. Haushalte der Mittelklasse: Jährliches Einkommen zwischen 400.000 und 800.000 RMB.
  4. Haushalte der unteren Mittelklasse: Jährliches Einkommen von 200.000 bis 400.000 RMB.
  5. Arme Haushalte: Jährliches Einkommen von 100.000 bis 200.000 RMB.
  6. Haushalte in extremer Armut: Jährliches Einkommen von weniger als 100.000 RMB.

Alle, die ihr zu den ärmsten Haushalten gehört: Leitet diesen Post weiter! Entschuldigt bitte, falls ich durch mein ärmliches Einkommen das Mutterland in seiner Entwicklung behindere! Das Amt für Statistik meldet: Das durchschnittliche Einkommen pro Monat in den Städten hat bereits die magische Marke von 9000 RMB pro Monat überschritten. Freunde die ihr ebenfalls die Entwicklung des Mutterlandes behindert, denkt daran, dies weiterzuleiten. Nachdem ich diese Nachrichten gelesen hatte, war ich selbst mut- und sprachlos.



Auf dem mitgeposteten Bild sieht man einen Ferrari, der ohne Nummernschild durch eine Chinesische Großstadt fährt, und einen ratlosen Polizisten: Was soll er nur mit diesem Verkehrssünder machen, der sicher gute Verbindungen in höhere Kreise hat?

Sonntag, 27. Oktober 2013

Der langsame Tod eines Dorfes in Shanxi

Ein Dorf in den Bergen der Provinz Shanxi, weit ab von der nächsten Stadt wird zu einem Beispiel für die Folgen von Verstädterung und Landflucht in den Chinesischen Nachrichten.

Quelle: Tencent News

"Generation über Generation von von Dörflern lebten hier, doch nun ist das Dorf nicht nur kulturell bedroht, sondern sogar im geographischen Sinne - es verschwindet von der Landkarte. Im Kreis Meng gibt es viele dieser kleinen Dörfer. Eingezwängt zwischen hohen Bergen und hinter tiefen Schluchten muss ein Besucher einen weiten Weg auf sich nehmen um hierher zu gelangen. Niemand ist willens in diese Dörfer einzuheiraten, und für die Kinder des Dorfes ist es schwer, zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu erhalten. So verlassen die Menschen ihre Bergdörfer, und der Kreislauf des Lebens kommt zum Stillstand."


"Das alte Dorf, zusammengewürfelt aus verfallenden Mauern, nur noch neun Einwohnern, zwei Hunden, etwas über 500 Schafen, etwa einem Dutzend Hühner. 

Die fortschreitende Urbanisierung lässt die Bauern das Land ihrer Vorväter vergessen, lieber ziehen sie weit weg von ihren Heimatdörfern um sich in übervölkerten Kreis- und Großstädte dicht an dicht zu drängen. Sie wollen nicht zurück in die Dörfer um die Härten des Lebens ihrer Eltern und Grosseltern auf sich nehmen.



Die Zeitung "Junges China" (中国青年报)berichtet, dass in den letzten 10 Jahren 900'000 Dörfer ausgestorben sind. Das hier gezeigte Dorf Kuanpeng ist nur ein kleines Beispiel.



Sonntag, 29. Juli 2012

Drogenprävention in Kangding (康定)

Aufgelegt in Post und Busstation in Kangding: folgendes Flugblatt. Im Januar 2011 habe ich in einer schummrigen Bar in Kangding Tibeter beobachtet. Ein Handschlag, danach steckte der eine etwas in seine Tasche, um dem anderen dann ein paar Geldscheine zu überreichen.

Im Fernbusbahnhof lag dann der folgende Flyer aus. Er richtet sich offensichtlich an Tibeter, die chinesische Version der jeweiligen Sätze steht unter dem Tibetischen und ist weniger prominent.




Donnerstag, 26. Juli 2012

Li Chengpeng: ”Totem“ // 李承鹏:“图腾”

Als plötzlich das grösste Unwetter der letzten 61 Jahre über Peking niederging war ich weit weg, um einen Artikel über die sechs Milliarden zu schreiben, die die Regierung letztes Jahr für ihre Autos ausgegeben hatte. Sehr peinlich, die Hauptstadt des Reiches so durchnässt und doch sieht man nur Privatautos, die rausfahren um zu helfen, keines derer für sechs Milliarden gekauften hinterliess Spuren von Heldentum.

Gerade als eine erneute Kampagne gegen Weibo (chinesisches Twitter Äquivalent) losgetreten wurde, begann Weibo Menschenleben zu retten mit präzisen, geordneten Informationen. Die Menschen sprachen sich ab, alle Rettungswagen waren unterwegs mit Blaulicht, die ganze Stadt war ein pulsierendes Herz. Zu diesem Zeitpunkt war die alte Debatte über die (fehlende) moralische Qualität der Chinesen nur noch schändlich. Wenn man nach Wenchuan (dem Epizentrum des Erdbebens von Sichuan), Yulin (200 vergiftete Schüler wegen schlechter Milch) und dem Crash des Hochgeschwindigkeitszugs und den gestrigen Ereignissen in Peking auf den Hurrikan in New Orleans zurückblickt, sieht man dass die Chinesen hohen ethischen und moralischen Ansprüchen genügen. Aber, die Frage stellt sich: Warum sieht man das nur im Angesicht von Katastrophen? In normalen Zeiten beschimpfen sie sich beim Drängeln im Bus, beim Schlangestehen vor Ticketschaltern gibt es Massenschlägereien, aber zu Katastrophenzeiten sieht man Ritterlichkeit wie vor dem Untergang der Titanic. Meine Kollegen fuhren zur Autobahnbrücke am Guangqi Tor um bei der Rettung mitzuhelfen, kaum war das Auto da schrien die Leute: "Frauen und Kinder zuerst!"

Die Moral der Chinesen wird zu normalen Zeiten von irgendeiner Kraft niedergedrückt. Wenn ein Land nur danach schmachtet, mit öffentlichen Geldern Autos zu kaufen, anstatt Busse für die Öffentlichkeit, wenn die Leute vom Verkehrsministerium nur Grossprojekte im Sinne der eigenen Karriere durchdrücken wollen anstatt der Öffentlichkeit zu dienen, in solchen Zeiten kann man keine moralischen Ansprüche haben, wenn man sich selber schützen will. Aber die Menschlichkeit ist da, wie eine Perle in der Finsternis leuchtet sie wenn es wirklich zählt. Nun wissen es alle: Der alte Mann der im Abwasserkanal lag, um den Abfluss freizumachen, die Stadtarbeiter, die vor dem Gully ohne Deckel wachten, die Jungs die mit Brot und Mineralwasserflaschen losgingen um eingeschlossene zu suchen, die Männer, die extrem vorsichtig werden, wenn sie ein klicken in der Leitung hören* und die nun ihre Handynummern und ihre Adresse veröffentlichen um Essen, Unterkunft und eine heisse Dusche anzubieten... Ich möchte keine pathetischen Ansichten wie "Wir sind alle Chinesen" verbreiten, ich meine vielmehr feststellen, dass der chinesische Bürgersinn wächst. Genau, wer an der Selbstregulierung der Gesellschaft teilhat, wird sich lebendig uns sicher fühlen.

Das ist Zivilisation, ich helfe den anderen und die anderen helfen mir. Ich bewundere den neuen Geist der Pekinger, den Zhao Chu beschrieben hat, aber ich finde nicht, dass es ein Peking vor und eines nach dem Unwetter gibt, es war immer dasselbe Peking. Es gab nur diese Zäsur, die aus einzelnen Menschen eine Gruppe formte. Vor etwa zwei Jahren kochten die Gefühle hoch als Auswärtigen vom Kauf von Wohnungen in Peking ausgeschlossen wurden, die Alteingesessen sahen die Neuankömmlinge am liebsten alle rausgeworfen, die Neuankömmlinge fanden, richtige Pekinger gibt es sowieso nur in Zhoukoudian**. Langsam haben alle begriffen, dass in diesem China jeder, der nicht reich ist, ein Auswärtiger ist, und dass die einzig richtigen Alteingesessenen sowieso in Zhongnanhai*** residieren. Wenn die moderne Kultur durch die Gardinen rieselt, wenn die ganze Stadt zum Meer wird, dann wirkt dieses Konzept von Aussen und Innen plötzlich sehr leer. Gestern Nacht hat mein Freund Yang Fei, ein typischer Sprössling reicher Eltern, bis zum Morgengrauen mit seinem Hummer Leute nach Hause gefahren, hat Wuyue Sanren**** Eingeschlossenen Unterkunft geboten, gestern Abend haben viele Pekinger dazu aufgerufen, den in Peking Gestrandeten, denen die hergekommen waren, um sich wegen in der Heimatstadt erlittenem Unrecht an die Obrigkeit zu wenden, und die nun in ihren unterirdischen Schlägen zu ertrinken drohten zu helfen, gestern Abend hat Li Fanghong, Kommandant eines Polizeipostens, sein Leben geopfert, als er Eingeschlossenen helfen wollte. Der Riss, der die Menschen teilt, war kurz geschlossen, denn so ist die menschliche Natur.

Aber es gibt diese Wunde in der Gesellschaft, man sieht das wenn normale Bürger ihre Türen öffnen, wenn sie es riskieren, dass der Motor ihres eigenen Autos im Brackwasser absäuft, um anderen zu helfen, aber der öffentliche Verkehr wie jeden Abend pünktlich stillsteht, wenn an den Mautstellen weiterhin abkassiert wird und die Autos in der Schlange langsam untergehen, wenn die Leute vom Ordnungsamt, die Strassenhändler sonst gnadenlos verfolgen plötzlich spurlos verschwunden sind. Der Regierung entging völlig, welche Gelegenheit zu einem grossen Auftritt sie verpasste, und hätte sie nur ein paar Zimmer in einem Motel für die Eingeschlossenen geöffnet! Sie haben nicht daran gedacht, so wie sie nicht daran gedacht haben, eine passende Kanalisation aufzubauen, als sie der Stadt eine schöne Fassade verpassten... Sie können nur die Schleusen der Propaganda öffnen, sie wissen nicht, dass die öffentliche Meinung der beste Abwasserkanal ist, fast wie ein Totem, wie Wasser folgt sie dem leichtesten Weg, passt sich allem an, nimmt keinen guten Rat an. Es ist nicht die Stadt, die schlecht ist, sondern die Dinge wurden nicht vollendet, ein Abwasserkanal trennt mich und dich.


Zur Olympiade 2008 sang Liu Huan "Ich und Du", er hatte Recht, wir leben wirklich alle in derselben Welt. Wir leben aber nicht denselben Traum. Die Beamten denken nur daran, im Ausland "Erkundungen" zu machen, einmal die Strasse vor der Tür zu besichtigen, käme ihnen nicht in den Sinn. Der neueste Witz ist: Die Beamten sagen, dass sie seit vorgestern eine Armee zur Frühwarnung vor und Vorbeugen gegen Unglücksfälle in der Stadt zusammengezogen haben. Beim Vorbeugen verloren aber zehn Soldaten ihr Leben, das zeigt wie schwach diese Stadt ist, die wir anhand einer grossen Erzählung aufgebaut haben.


So wie früher muss man diese Geschichte nun anhand der Versatzstücke "Liebe kennt keine Grenzen, in der Katastrophe rücken wir näher zusammen" schönreden. ***** Ich wette, bald kommen Artikel mit Titeln wie "Ein Unwetter bringt die wahren Gefühle der Menschen hervor". Ich finde solche Artikel widerwärtig, das Gewitter hat die Gefühle der Menschen nicht von neuem heraugebracht, sondern es hat die Realität aufgezeigt. Diese ist: Eine Stadt, die nicht einmal eine Kanalisation bauen kann wird nie auf der Überholspur fahren, und wenn ein ganzes Land keine richtigen Abflüsse bauen kann, dann weiss man, warum der Volkszorn im Versteckten brodelt.


Okay, Ich schreibe nur bis hierhin, ich fahre zum Flughafen und fliege in den Süden. Ich halte keine Rede, schreibe keinen Artikel. Ich zünde nur eine Kerze zum Gedenken an.

* weil sie eine Nebenfrau haben.
** Fundstelle des Peking-Steinzeitmenschen
*** Pekinger Regierungssitz
**** Schriftsteller
***** Tatsächlich orderte die Regierung die Medien, diese Aspekte der Geschichte zu betonen, siehe hier.

Montag, 23. Juli 2012

Han Han: Die neuen Hauptfiguren sind schon da // 韩寒:已来的主人翁


Heute habe ich noch viele Nachrichten über Shifang gelesen. Nach sorgfältigem Sortieren und Hinterfragen ist eines klar: Shifang ist in Not, und von allen Seiten eilt Hilfe herbei. Die Jungen, nach 1990 Geborenen machen sich verdient: Gestern haben sich viele Bürger Shifangs vor den Toren des Regierungsgebäudes versammelt, und gefordert, dass die Schüler freigelassen werden. Sogar aus dem benachbarten Guanghan sind Gruppen von Schülern zur Unterstützung gekommen. Es wurde auch berichtet, dass die politischen Rechte in Shifang nur dank der Apelle der Schüler vor den Regierungsgebäuden aufrechterhalten wurden. Zum Glück hat die Regierung diese Schüler später freigelassen und hält nur sechs andere Leute weiterhin fest. Viele Sagen, dass die Ereignisse nach dem Erdbeben von Sichuan sie ihre Einstellung gegenüber den nach 1980-Geborenen hat ändern lassen. Die Ereignisse von Shifang dürfte ähnliches für die Nach-90ern bewirken.

Tatsächlich, nur weil sie sich ihre Haare zu Dauerwellen-Afros auftürmen sind sie nicht alle Alternative (das Wort Alternative scheint hier sehr negativ besetzt, vielleicht wäre die Übersetzung Leute, die außerhalb der Gesellschaft stehen passender). Im Gegensatz zu explodierten Frisuren explodieren die Granaten der Polizei wirklich. Blendgranaten, wie sie die Gamer sonst nur aus Counterstrike kennen. Hätte die Regierung Sprenggranaten gegen die Bevölkerung verwendet, sie wäre als Gewaltherrschaft entlarvt. Der Blitz der Blendgranate lässt ihre Opfer ein paar Minuten taumeln, aber das Verwerfliche ihrer Handlungen kann die Staatsgewalt damit nicht verbergen. Glaubt ihr etwa, ihr dreht hier „Men in Black 4“, dass ihr mit den Blitzgeräten die Erinnerung der einfachen Bürger auslöschen könnt? Ganz im Gegenteil, mit jedem Blitz wird dieser Augenblick für die Geschichte dokumentiert. Diese Geschichte werdet ihr nicht übertünchen können.

Wenn einige die Grenzen überschritten haben, verhaftet wurden und nun gerichtlich verfolgt werden, dann kann ich dagegen nichts einwenden. Wenn die Polizei aber die Grenzen überschreitet, mit all ihren Waffen auf Bürger schießt als wären sie kriminelle, sollte sie sich nicht dafür entschuldigen? Die Tweets der Stadtregierung strotzen nach wie vor mit Wortklaubereien, martialischen Tönen aber keinerlei Entschuldigung. Ganz im Sinne von „Wir verzichten darauf, unseren Palast zu bauen, und verschonen euer Leben“. Sie gipfelten in Floskeln wie: „Schützt die berechtigten Ansprüche der Volksmassen, bewahrt die Harmonie und Stabilität der Gesellschaft.“ Das ist wie eine Aufforderung, Mundharmonika zu spielen und zu singen, beides gleichzeitig geht nicht. Obwohl der offiziellen Weibo Account „Vitales Shifang“ ausschließlich zur offiziellen Verunglimpfung benutzt wird, sehe ich es doch als einen Fortschritt verglichen mit früheren Zeiten. In kühlem Ton erzählt dieser Account den von ihren Hormonen aufgeputschten wie sich die Sache entwickelte, im wesentlichen ohne zu lügen. Im heutigen China ist das ja schon eine Seltenheit. Auch lange Weibo Tweets können sie schon benutzen, das ist so neuartig wie ein Beamter, der öffentlich seinesgleichen moralischen Bankrott gesteht. Jeder Fortschritt verdient Lob. Danach... weiter kritisieren!

Um wieder auf die Nach-90er Schüler zu sprechen zu kommen: Sie verdienen Lob, aber ein paar Sachen machen nachdenklich: Auf einer Bilderserie sah man ein Nach-10er, ein Baby, mit leichten Verletzungen. Ich fühlte eine unbändige Wut gegen die Militärpolizei und hämmerte „die Freisetzung von Shifang“ in die Tasten, die ganze Nacht lang. Ich mag aus Abfällen gewonnenes Fett essen, aber ich möchte nicht, dass meine Tochter das tun muss, ich mag auch schlechte Luft atmen, aber ich möchte nicht, dass meine Tochter das tut, ich kann in der Mitte von XX leben, aber ich wünsche, dass meine Tochter im Gegenteil davon lebt. Ursprünglich nahm ich an, dass den Generation der in den 80ern, 90ern Geborenen keine andere Wahl bleibt, als sich für die späteren zu opfern, aber jetzt denke ich, dass wir vielleicht schon das Werk vollenden können, das unsere Väter begonnen haben. Diese Leute sind die Hauptdarsteller der Zukunft, doch sie sind bereits hier. Die Welt gehört euch, sie gehört auch uns, doch zuletzt gehört sie doch ihnen (Eine Abwandlung eines Zitates von Mao Zedong, der über die zukünftigen Generationen sagte: "Die Welt gehört euch, sie gehört auch uns, aber zuletzt gehört sie doch euch."). Die Beamten von Shifang gehören ziemlich genau der Generation unserer Väter an, schaut, wie diese Generation der Nach-80er, Nach-90er ein paar Änderungen vornimmt. Ich weiss, ihr habt euch schon weit zurückfallen lassen und Kompromisse gemacht, lasst uns zusammen eine gute Sache zu Ende bringen.

Einige Leute sagen, die Tatsache, dass man über die Ereignisse von Shifang Artikel veröffentlichen kann liegt an internen politischen Machtkämpfen. Ich glaube das, aber es ist mir egal. Heute Abend gibt es Freibier, hast du etwa keinen Durst? Kümmert euch um eure Machtkämpfe, ich nehme meine Rechte wahr, wenn ich schon kann. Wenig eint die Menschen so sehr wie Anstrengungen für das Überleben unserer Umwelt. Auf dem Weg in Richtung Demokratie und Perfektion werden wir uns manchmal erheben und marschieren um uns dann wieder hinzusetzen, häufig nicht für diese inhaltslosen, grossen Worte, aber vielleicht nur für eine Sache, einen Menschen, einen Baum, eine Fabrik. Vielleicht hat die Sache mit dir selber zu tun, vielleicht nicht. Die Umweltverschmutzung von Shifang wird es niemals zu mir nach Shanghai wehen. Ich weiss aber, liebe Freunde, für uns alle die wir jetzt vor unsere Computern sitzen, wird mal die Zeit kommen, und dann brauchen wir euer Verständnis und eure Unterstützung!


Zum Originalpost:

Freitag, 20. Juli 2012

Han Han: Die Freisetzung von Shifang // 韩寒:什邡的释放


Vor vier Jahren, zur Zeit des Erdbebens von Sichuan, fuhr ich in die Katastrophengegend. Ich kann mich düster erinnern, dass die Regierung ein paar Tage nach dem Erdbeben beschloss, alle herrenlosen Hunde einzufangen und einzuschläfern, um Epidemien vorzubeugen. Ich liebe Hunde, und obwohl mich das traurig machte, machte diese Massnahme unter diesen Umständen doch Sinn. Als ich Sichuan dann verliess, nahm ich einen von diesen Hunden mit nach Shanghai. Ich erwähne das heute, weil dieser Hund aus der Stadt Shifang (Gemeinde Hongbai) stammt. 

Heute Abend sprach man wieder von Shifang. Vor vier Jahren war ich auf irgendeiner Strasse in Shifang, auf beiden Seiten zerstörte Fabriken, in den flachen Plätzen biwakierte die Armee, unwirkliche Bilder.

Ich dachte an mein Heimatdorf, Shanghai's Zentrum der Chemieindustrie, ein Dorf in der Gemeinde Tinglin im Stadtbezirk Jinshan. Ich sehe wie sich mein Dorf gewandelt hat, von grünen Kanälen und Rauchfähnchen, die aus den Küchen der Häuser in den klaren Himmel steigt, in das was es jetzt ist. Es brauchte nur zehn Jahre, das Flusswasser ist wie Farbe und die Luft ist Gift. Damals, als es darum ging, diese Chemieprojekte mit viel Umweltverschmutzung durchzudrücken, fantasierte die Regierung, dass die Einwohner Steigerung des BIP des Dorfes verlangten, und dass die Regierung nur dann Glück für alle schaffen könne, wenn die Steuereinnahmen sprudeln. Zehn Jahre danach hat sich der Druck im Leben der Dorfbewohner kein wenig gemindert, ihre soziale Sicherheit hat sich kein bisschen verbessert. Dafür atmen wir keine saubere Luft mehr, und der Fluss ist ein Trauerspiel, kommt in sieben verschiedenen Farben in der Woche, du kannst ablesen, welcher Wochentag gerade ist. Die Leute aus Tinglin haben sich dafür entschieden, das zu ertragen, schliesslich zeigen die Prüfberichte vom Umweltamt, das alle Werte innerhalb des normalen Rahmens liegen. Klar, wenn man keine Mindestanforderungen hat, dann liegen die Werte immer darüber. Aber in diesem Wasser können nicht mal Flusskrebse überleben, das sagt schon alles.

Die einfachen Chinesen haben mit Flusskrebsen wirklich viel gemeinsam: Sie können unglaublich viel über sich ergehen lassen, können in jeder Umgebung überleben. Aber obwohl sie zwei Scheren haben, werden sie oft durch den Rücken aufgespiesst und sind dann wehrlos. Wenn man sie erschreckt, weichen sie zurück, und trotzdem enden sie am Ende auf dem Speisetisch der hohen Tiere. Die wischen sich den Mund ab: "Nicht schlecht, vielleicht ein wenig scharf."

Deshalb möchte ich der Regierung von Shifang sagen: Dies sind keine Krisenzeiten, die Erwartungen der Menschen an ihre Umwelt verdienen Respekt. Ihr Bosse wechselt alle paar Jahre eure Posten, und tauscht dann die Verschmutzung, die ihr hinterlasst gegen ein gutes Zeugnisse ein. Wenn ihr's gut gemacht habt, werdet ihr auf einen besseren Posten befördert, im schlimmsten Fall kommt ihr vors Exekutionskommando. Sowieso seid ihr nicht mehr da, die einfachen Leute aber schon. Die Regierung von Shifang hat dieses Projekt eines Molybden- und Kupfer Werks beerdigt, welches die Wut der Leute hat hochkochen lassen, aber ich denke aufgestaut hat sich diese Wut davor schon. Was eine Frage nach Vor- und Nachteilen einer Fabrik war, hat sich nun in einen Massenprotest entwickelt, ein ursprünglich idealer, friedlicher und kluger Protest um erneute Verhandlungen, hastig zerschlagen. Man sollte ihnen nicht die Deutungshoheit überlassen mit ihrem Gerede von "Pöbel und Unruhestiftern".

Ich möchte der Regierung auch sagen: Die Entscheidung, die Demonstration aufzulösen habt ihr zu hastig gefällt, und die Art war übertrieben. Ich kann euch verstehen, als eine Regionalregierung, ohne Erfahrung mit dem Management solcher "Massenvorkommnisse", wenn ihr nur seht, dass das Regierungsgebäude umstellt wurde, die Tafel mit dem Namen der Stadt vor dem Gebäude schon kaputtgeschlagen wurde, das ist unschön. Ihr seht unten die Menschenmassen, kuckt oben an den Wandkalender, seht: Es ist der Tag an dem die Organisation gegründet 4wurde (1. Juli, Gründungstag der KP China). Schlechtes Timing, ungünstige Situation, ein Gedanke: Ich werde Amt und Karriere verlieren! Also: Schnell die Leute auseinandertreiben. Wenn's nicht mehr reicht, die Parteigründung zu feiern, egal, die machen es eh kaputt, was für eine Demütigung für die Partei!" Man kann sich vorstellen, aus der Entscheidungsebene klang es so: "Dieses Problem muss nicht zwingend in kürzest möglicher Zeit gelöst werden." Auf der ausführenden Stufe dachte man: "kürzeste Zeit… Auflösen… Verstanden…“ Und so gab es dann gar keinen Dialog. Kann es sein, dass ihr die Sorgen der Leute um die Luft, die sie atmen und das Wasser, das sie trinken so behandeln wollt wie Epidemien? Muss man beide noch am selben Tag eindämmen? Ohne Dialog, direkt mit Tränengas? Die Regierung von Shifang hat das Erdbeben von Sichuan miterlebt, wie kann sie nicht wissen, dass je mehr Gefühle sich bei den Leuten angestaut haben, sie umso mehr Dampf ablassen müssen? Wenn sie ihrem Ärger dann Luft machen, ob sie nun angestachelt oder aufgehetzt wurden, dann wollt ihr diese ehrliche Wut nicht verrauchen lassen sondern müsst gleich Chiliwasser (Benutzt die chinesische Polizei offenbar gerne bei diesen Gelegenheiten, ähnliche Wirkung wie Pfefferspray) versprühen? Das gibt dann eine richtige Schlacht, Bürger gegen Polizei, die Bürger mit tränenüberströmten Gesichtern?

Ehrlich gesagt bin ich kein Experte, zu Molybdän-Kupfer Werken kann ich nichts sagen, ich finde nur, man kann so nicht mit Massenaufmärschen umgehen. Die Beamten sagen, das Haupttor des Regierungsgebäudes wurde aufgestossen, in den Nachrichten hat man aber vor allem gesehen, wie der Staatsapparat Leute verprügelt. Wenn es nur darum geht, die Ordnung aufrechtzuerhalten, einen Massenaufmarsch aufzulösen, müsst ihr dann wirklich noch prügeln und Chiliwasser sprühen? Eine solche naive Anwendung von Waffengewalt kann das ganze nur schlimmer machen. Shifang geht mich etwas an, weil es für Tinglin steht. Leute von Shifang, ihr habt einem Erdbeben der Stärke 8 getrotzt, ihr könnt gegen die Schläge ankommen. Ein Regierungsgebäude, das ein Erdbeben der Stärke 8 überstanden hat, wird auch mit kritischen Fragen zurechtkommen.

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Hier das Original: aber mittlerweile ist der Post gelöscht.